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Von Haustüren und Schultüren

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Mein kleines Tagebuch im Wahljahr (9)

Ein ordentlicher Wahlkampf erfordert Zeit, viel Zeit. Hunderte von Plakate wurden geklebt und gehängt, zehntausende Flyern verteilt. Dabei kommt man ins Gespräch, insbesondere, wenn man die Flyer nicht einfach dem Briefkasten überlässt, sondern den Wählerinnen und Wählern persönlich überreicht, sei es am Infostand oder bei dem, was sich Neudeutsch Canvassing also Haustürwahlkampf nennt. Ich nenne es lieber „meine Tour von Tür zu Tür“. Sat.1 Bayern ist darauf aufmerksam geworden und hat uns begleitet.

Und weil eine solche Tour von Tür zu Tür zu zweit mehr Spaß macht, hat mich an diesem Tag unser Landesvorsitzender Dieter Janecek begleitet. Überraschend war beim Klingeln mit Kamerabegleitung die positive Reaktion der Angesprochenen. Keinerlei Ablehnung gegenüber der Kamera, was das Filmteam gleichermaßen überrascht hat wie die nahezu durchweg positive Einstellung der Menschen gegenüber unseren Grünen Inhalten. Unsere Positionen sind, wen wundert es, mittlerweile mehrheitsfähig. Hier gibt es den Bericht von Sat.1 Bayern zu sehen.

Eine kleine Anekdote am Rande: An einer Haustüre in Hirschaid erklärte mir jemand, er könne unmöglich die Grünen wählen, er sei nämlich in einem Schützenverein engagiert. Für Verblüffung sorgte bei ihm meine Antwort: „Ich auch!“ Und schon hielt er meinen Schützenverein-Bierdeckel in Händen. Gut, dass wir das Ding neu aufgelegt hatten…

Während sich also die Haustüren öffnen, drohen sich viele Schultüren bei uns in Stadt und Landkreis in nicht allzu ferner Zukunft zu schließen. Alleine zwölf Mittelschulen gelten im Landkreis Bamberg nach einer Liste des BLLV als gefährdet. „Bis 2016 oder 2017 halten wir wohl noch durch,“ erklärte mir ein stellvertretender Schulleiter, „dann sieht es düster aus.“ Die gerade einmal vor zwei Jahren aufs Gleis gebrachte Mittelschule stellt sich als viel zu kurz gesprungen heraus.

Dass Grüne Politik da viel nachhaltiger und längerfristiger denkt, zeigt sich am Beispiel Nordrhein-Westfalen. Deshalb hatte ich die stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW, Sylvia Löhrmann, zu uns eingeladen. Sie ist die Ministerin für Schule und Weiterbildung im bevölkerungsreichsten Bundesland und hat in wenigen Jahren etwas erreicht, wozu Bayern mit der jetzigen Staatsregierung niemals fähig wäre, einen so genannten Schulkonsens. Sie hat dazu alle Akteure des Schulsystems an einen Tisch gerufen und parteiübergreifend erreicht, dass zukünftig an einem Strick gezogen wird. Bildungspolitik im Sinne der Schülerinnen und Schüler anstatt ideologisierte Grabenkämpfe ums richtige Schulkonzept. Jetzt beteiligen sich Kommunen, Verbände, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern aktiv am Umbau des Schulsystems, stets einem Ziel verpflichtet: Das wohnortnahe Lernen muss gewährleistet sein.

Sicher, so eine Transformation des Schulsystems ist nicht von heute auf morgen möglich, das braucht viel Zeit und mindestens ebenso viel Gespür im Umgang mit allen Beteiligten. Dennoch: Es braucht auch eine Ministerin, die sich das Ganze überhaupt erst einmal zutraut und anpackt, nicht von oben herab sondern als Moderatorin eines Prozesses. Sylvia Löhrmann gelingt dies in bewundernswerter Weise. Der Leidensdruck war in NRW offensichtlich groß genug, bei uns in Bayern entsteht er gerade, verursacht eben durch die kurzsichtige Planung des Kultusministeriums in Sachen Mittelschule und das eisene Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem.

Die Schulleitungen und BürgermeisterInnen bei uns sind da zum Teil längst weiter und stehen einer Reform durchaus positiv gegenüber, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Dies wurde bei unseren bildungspolitischen Gesprächen mit Margarete Bause und Sylvia Löhrmann am Bamberger Gabelmann und in Strullendorf mehr als deutlich.

Fotos: Ssaman Mardi (Team Margarete Bause), Tim Kipphan und Gerhard Schmid

2 Comments

  1. Ist es nicht doch Tim Kipphan???

  2. Ups, na klar…, danke für den Hinweis!

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