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Die fabelhafte Welt der Amigos

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Mein kleines Tagebuch im Wahljahr (4)

Man muss sicherlich nicht alles verstehen, was da derzeit den Freistaat erschüttert, weder die Steueraffäre um den FC Bayern-Manager Hoeneß noch die eigenartige Selbstbedienungsmentalität, mit der einige CSU-Landtagsabgeordnete auch dreizehn Jahre nach einer entsprechenden Gesetzesänderung eine ganz eigene Form von Familienförderung betreiben. Im Fall Hoeneß mutet vor allem seltsam an, dass die CSU vehement für ein Steuerabkommen mit der Schweiz eintrat, das es Hoeneß erlaubt hätte, die Sache klammheimlich zu regeln. Und dass Seehofer bereits Ende Januar von der Sache gewusst hat, hat durchaus ein Geschmäckle. Die Süddeutsche meint nicht von ungefähr es entstünde der Eindruck, Reiche würden von der CSU geschont.

Verstehen muss man sicher auch nicht, warum siebzehn CSU-Abgeordnete eine Übergangsregelung satte dreizehn Jahre ausdehnten, besonders eklatant im Falle des (mittlerweile ehemaligen – so schnell kann das gehen) Fraktionsvorsitzenden Schmid. Es zeigt aber, dass der CSU das Bewusstsein, dass eine Mitgliedschaft in derselben nicht gleichzeitig bedeutet, der Staat höchstpersönlich zu sein, inzwischen gänzlich abgeht. Es entsteht der ungute Eindruck einer ausgeschämten Abzocker- und Amigomentalität und macht wieder einmal sehr deutlich: Bayern braucht dringend den Politikwechsel.

Schwer nachvollziehbar ist auch, wie jemand, der noch vor wenigen Monaten Windräder errichten wollte, nun zum vordersten Gegner von Windkraftanlagen auf exakt der gleichen Vorrangfläche mutierte. Das gibt es wirklich! Plötzlich werden Abstandsflächen gefordert, die man selbst nicht eingehalten hätte. Wie kommt so ein Sinneswandel zustande? Geht es wirklich um Natur- und Heimatschutz oder doch eher um persönliche Animositäten? In jedem Falle war ein anderer Projektant schneller, nun ist schlecht, was noch im August letzten Jahres eine tolle Sache war. Es geht schon manchmal rätselhaft zu im Staate Bayern, im Großen wie im Kleinen. Und am Ende geht es offensichtlich immer ums liebe Geld…

Und weil in Bayern derzeit die schlechten Vorbilder und die Auseinandersetzung mit ihnen die politische Bühne prägen, mal ein Blick über die Landesgrenze. Im Nördlichen Schwarzwald wird nämlich seit einiger Zeit die mehr oder weniger gleiche Diskussion wie im Nördlichen Steigerwald geführt: Braucht es einen Nationalpark und welche Vor- und Nachteile würde dieser für die Region mit sich bringen? Der hiesigen Staatsregierung zum Vorbild macht die Landesregierung in Baden-Württemberg allerdings vor, wie man mit so einer Diskussion verantwortungsvoll und zielgerichtet umgeht, mit einem Gutachten, einer Vorstellungs- und Diskussionsreihe desselben in den betroffenen Kommunen und einer dann folgenden Bürgerbefragung. So geht es richtig! Und so hat man im Schwarzwald den Steigerwald in der Diskussionsentwicklung längst überholt. Seit 2008 fordern wir eine Machbarkeitsstudie zu einem möglichen Nationalpark Steigerwald. Und noch immer klingt mir das gar widersinnige Argument des Herrn Hühnerkopf zur damaligen Ablehnung durch CSU und FDP in den Ohren: Wozu brauche ich einen Plan für ein Haus, das ich nicht bauen will? Man lässt das Haus der Steigerwälder also lieber verfallen und zimmert an der eigenen Villa – der von Herrn Schmid zum Beispiel…

Aber ich bin mir ziemlich sicher: Der Nationalpark wird früher oder später kommen, es braucht eben einen ganz langem Atem und viel Überzeugungsarbeit. Am vergangenen Wochenende waren wir zu einem kleinen Filmdreh im Steigerwald, das Ergebnis demnächst hier. Und während die Bayern Barcelona vom Platz fegten, habe ich Gerolzhofens neuem Bürgermeister unserer eigenen Studien zum Thema Nationalpark vorgestellt. Und dann war da ja noch unsere Landesdelegiertenversammlung in Würzburg mit tollen Reden nicht nur von Rainer Baake und Hubert Weiger. Am Ende stand ein Wahlprogramm, von dem es nun die Menschen in Bayern und Franken zu überzeugen gilt.

Foto: Tilman Münch

2 Comments

  1. Die Realität hat ja die SPD, die Grünen und die Freien Wähler aus dem bayerischen Landtag ja auch eingeholt. Wer weiß ob da nicht auch welche dabei sind, die im Landtag noch Amigos in Richtung CSU gerufen haben?

  2. Sehr geehrter Henry,
    eigentlich gehört es sich ja schon, sich mit Namen vorzustellen. Wie auch immer, zuletzt waren es ausschließlich CSUler, die Verwandte 1. Grades eingestellt hatten. Da ist schon ein kleiner Unterschied, hier die Liste:
    http://www.br.de/nachrichten/csu-spd-gehalt100.html

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