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Flickschusterei unterm Spardiktat

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Lehrermangel: Im Kultusministerium regiert das Chaos

Hoppla, wo kommen die denn her? Überraschung im Ministerium: Kurz vor Schuljahresende stellte man im Kultusministerium plötzlich fest, dass im September 4300 Schülerinnen und Schüler mehr als erwartet auf die Mittelschulen des Freistaates gehen werden. Mit der Mathematik haut das beim bayerischen Oberlehrer Spaenle offensichtlich nicht so ganz hin und das schon seit Jahren. Jetzt fehlen natürlich die, die sowieso schon viel zu wenige sind, die Lehrerinnen und Lehrer. Schulräte, Schulleiter und die Lehrerverbände schlagen Alarm und haben Recht: Schon erste Ausfälle würden im neuen Schuljahr „das ganze Ausmaß der Mangelversorgung sichtbar machen.“

Spaenle beschwichtigt: „Wir werden die Unterrichtsversorgung trotz erhöhter Schülerzahlen auf dem Vorjahresniveau halten können.“ Das kann man getrost auch als Drohung verstehen, denn schon im Vorjahr fiel der Unterricht an den bayerischen Schulen massenweise aus. Da brachte auch die Verordnung vom Februar keine Besserung. Nun saßen die Schülerinnen und Schüler die ausfallenden Stunden eben in ihren Klassenräumen ab, „macht halt schon mal eure Hausaufgaben…“. Es herrscht Frust im Klassenzimmer, bei Lehrern und Schülern gleichermaßen.

Das Vorjahresniveau wird an den Mittelschulen schon deshalb nicht zu halten sein, weil das Kultusministerium selbst den im April ausgegebenen Schlüssel vom 1,8 Lehrerstunden je Schüler mittlerweile auf 1,7 Stunden herabstufte. Da läuft schon der Pflichtunterricht Gefahr, überhaupt bewältigt werden zu können. Ganz zu schweigen von all den zusätzlichen Angeboten, die man an den Schulen mühsam aufgebaut hat. Individuelle Förderungen, Intensivierung, Musik, Sport AGs, Theatergruppen und so weiter, das Schulleben wird verarmen. Die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler werden so ganz bestimmt nicht gefördert.

Und was macht Spaenle? Er stellt sich doch tatsächlich hin und bejubelt die aus dem ministeriellen Prognose-Nichts aufgetauchten 4300 als Erfolg seiner mittellosen Mittelschule: Der (vermeintliche) Run auf die Mittelschule zeige die Qualität dieser Schulform. Dabei ignoriert Spaenle einmal mehr beharrlich die Realitäten. Seit 2000 sind die Zahlen bei den Haupt- beziehungsweise jetzt nun Mittelschülern um ein ganzes Drittel zurückgegangen und zwar kontinuierlich. Wir wissen schon, warum unter anderem auch: Es wird gespart, zum Beispiel durch stets zu niedrig angesetzte Schülerprognosen, welche dann wiederum geringere Lehrerstellen rechtfertigen sollen. Der Staat stiehlt sich aus der Verantwortung und dem Konnexitätsprinzip, die Kommunen müssen einspringen. Wenn jemand aber das Kind beim Namen nennt, wie etwa die Dachauer Schulrätin, dann kommt ein Rüffel aus München, man habe sich gefälligst loyal zu verhalten.

Die Kritik an der „Chaotischen Unterrichtsplanung des Kultusministeriums“ aber wuchs in den letzten Wochen derart, dass nun offensichtlich Panik ausbrach im Ministerium. Da sollte zunächst eine Reserve von 139 Lehrern die schlimmste Not im Lande lindern und für Beruhigung an der Front sorgen, allein: Es half nichts. Und so sah sich der Kultusminister nun gezwungen, rasch zu verkünden, er würde „300 neue Lehrer“ einstellen. In drei Wochen ist Unterrichtsbeginn, wie er das flächendeckend hinbekommen will, bleibt sein Geheimnis, zumal dies überwiegend Teilzeitverträge sein sollen, effektiv also etwa 200 Lehrerstellen, wenn es überhaupt gelingen wird, das Personal so schnell aus dem Hut zu zaubern. Pädagogisch für den Schulzweig ausgebildete Hauptschullehrerinnen und –lehrer werden es kaum sein. Und ob jemand Knall auf Fall für eine halbe Stelle von Würzburg nach Ingolstadt zieht, bleibt fraglich. Flickschusterei auf Kosten der Schüler, der Lehrer, der Eltern und der Kommunen. Spaenles Mittelschule ist auf ganzer Linie ebenso gescheitert wie der Minister selbst. Auf lange Sicht gesehen ist das vielleicht ganz gut so, für die jetzt Betroffenen ist es eine Katastrophe.

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