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Kirchturmdenken schlägt Bildungchancen

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Praxistest Gerechtigkeit: SPD durchgefallen, CSU sowieso…

Auf die CSU im hiesigen Kreistag kann man sich wenigstens verlassen: Einer (und immer derselbe) redet, die anderen heben entsprechend die Hand, und sei das, was der Vorsitzende von sich gegeben hat, noch so unsinnig. Praktisch dabei: Sitzungsvorbereitung kann sich der gemeine CSU-Kreisrat sparen. Schwieriger wird es da schon bei den Sozialdemokraten, hier ist auf nichts mehr Verlass. Ein befremdliches Beispiel lieferten die Genossen einmal mehr in der jüngsten Sitzung des Kreistages.
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Unsere Fraktion hatte einen Antrag eingereicht, wonach der Landkreis zumindest die so genannten fiktiven (anteiligen) Fahrtkosten für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hollfeld aus dem Landkreis Bamberg übernehmen möge, also lediglich die Kosten, die der Landkreis sowieso tragen müsste, würden diese Schülerinnen und Schüler in ein Gymnasum in der Stadt gehen. Während es für alle bayerischen Schülerinnen und Schüler klare Regeln der Kostenübernahme der Fahrt zur Schule gibt, überlässt die Bayerische Schülerbeförderungsverordnung (BaySchBefV) einzig und allein die Kostenübernahme bei Gesamtschülern („Schule der besonderen Art“, gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse) dem Goodwill der Kommunen. Da zieht der Einwand einiger Landkreisbürgermeister (darunter auch die SPDler), man mache da doch „ein Fass auf“, da kämen ja dann andere auch daher, exakt nullkommanull. Wir hätten vielmehr das einzige noch offene Fass geschlossen. Die Fass-auf-Argumentation ist vor allen Dingen ein Zeichen der Unkenntnis der Faktenlage. In satten neun Monaten hat man es bei der SPD nicht geschafft, sich einmal tiefergehend mit dem Thema zu befassen. Ein Blick ins eigene Landtagswahlprogramm hätte eventuell geholfen, Zitat: „Wir wollen bessere Bildung für alle. Wir werden den Leistungsdruck an Bayerns Schulen eindämmen, die Schulstandorte im ländlichen Raum erhalten und längeres gemeinsames Lernen ermöglichen…“. Den aktuellen Wahlkampfschlager “Gerechtigkeit” scheinen die Genossinnen und Genossen in Bamberg-Land noch nicht verinnerlicht zu haben. Um nichts anderes als Gerechtigkeit aber geht es: Bildungsgerechtigkeit.

Auch an der CSU scheiterte unser Antrag. Und dies vor allem, weil ausgerechnet der Litzendorfer Bürgermeister Fraktionsvorsitzender der Christsozialen ist. Just aus dessen Gemeinde kommen knapp die Hälfte der etwas über 50 Schülerinnen und Schüler, um die es geht. Und der Litzendorfer Bürgermeister führt doch allen Ernstes ins Feld, dass diejenigen, die aus seiner Gemeinde nach Hollfeld gingen, den Bestand der Hauptschule im Ort gefährden würden! Priorität hat mithin ein Gebäude, da müssen die Bildungschancen der Kinder aus seiner Gemeinde eben hintanstehen. Wie könnte man auch auf den abwegigen Gedanken kommen, Bildungspolitik müsse an den Schülerinnen und Schülern ausgerichtet sein? Kirchturmdenken schlägt Bildungsgerechtigkeit, eigentlich ein Skandal. Offensichtlich fürchtet das Gemeindeoberhaupt auch, dass zu sehr Gebildete ihn in Bälde nicht mehr wählten. Eine nicht ganz unbegründete Vermutung. Da passen das Geschrei einiger Bürgermeister und des Landrates nach einem Landkreisgymnasium wie auch ein ganz aktueller Facebook-Post der CSU zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein bestens ins bildungsferne Bild:
Facebook-Screenshot vom 08. Mai 2017

 
Bildungspolitische Gesamtnote für CSU und SPD: Setzen, sechs!

Mein Redebeitrag in der Kreistagssitzung vom 24. April 2017:

„Vor 1 ½ Jahren haben wir für Stadt und Landkreis Bamberg ein Bildungsmanagement auf den Weg gebracht – eine wirklich gute Sache. Nicht vergessen: 20.000 Bildungsmanager haben wir schon im Landkreis: Die Eltern, die für ihre Kinder eine möglichst passende schulische und außerschulische Bildung erreichen wollen.

Nächste Woche ist es wieder soweit: Die Viertklässler bekommen ihre Übertrittszeugnisse. Es kommen dann die Fragen, an die sich sicher auch viele hier im Raum noch erinnern können: In welche Richtung geht mein Kind? Ist die Einstufung der Grundschule wirklich zutreffend? Schafft sie tatsächlich das Gymnasium? Wie kommen die auf Hauptschule? Sollte er die Aufnahmeprüfung zur Realschule machen? Es geht um die Entscheidung Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Eine für die Bildungsbiographie eines Menschen gravierende Entscheidung. Und das im Alter von 10 Jahren. Die hohe Zahl bestandener Aufnahmeprüfungen an den Realschulen zeigt, dass die Grundschulen mit ihren Einschätzungen oft falsch liegen.

Nun haben wir hier bei uns neben Hauptschule, Realschule und Gymnasium noch eine vierte Schulform, die es im ländlichen Raum nur noch ein weiteres Mal in Bayern gibt: Die staatliche (!) Gesamtschule Hollfeld. Wir sind Mitglied im Zweckverband der Schule, sie gehört also zur Bildungslandschaft des Landkreises Bamberg. Wir sollten stolz auf diese besondere Schule sein und sie nach Kräften unterstützen.

Wichtig bei der Bewertung: Die Gesamtschule Hollfeld ist weder Hauptschule noch Realschule noch Gymnasium, sie ist eine eigenständige vierte Schulform. In unserer Region haben die Viertklässler also die bayernweit äußerst seltene Möglichkeit, dass sie sich erst nach der 6. Klasse entscheiden müssen. Und auch danach ist die Durchlässigkeit wesentlich höher. Über die Einführungsklasse zum Beispiel können die Realschüler in den gymnasialen Zweig wechseln…

Es sind also rein pädagogische Gründe, die Eltern und Schüler dazu bewegen, nach Hollfeld zu gehen. Die Eltern wollen ihren Kindern möglichst viele Türen aufmachen. Sie wollen ihren Kindern ermöglichen, eine möglichst passende und erfolgreiche Bildungsbiographie zu erwerben. Und sie haben dabei Erfolg: Knapp 30% derer, die mit der Grundschul-Empfehlung „Hauptschule“ nach Hollfeld kommen, machen später einen Realschulabschluss oder Abitur.

Ich denke wir sind uns hier im Raum einig: Wir alle wollen doch, dass unseren Kindern die Schulbildung zu Teil wird, die am besten zu Ihnen passt. Sollten wir die Familien nicht dabei unterstützen? Was die Kosten des Schulweges nach Hollfeld anbelangt, tun wir das als Landkreis Bamberg bisher nicht. Wir lassen die Familien mit den Kosten dafür allein. Und das, obwohl der Freistaat 65% der Kosten übernehmen würde. Und hier kommt unser Antrag ins Spiel: Wir möchten, dass die Hollfelder Schüler aus unserem Landkreis wenigstens das bekommen, was sie bekämen, wenn sie an ein Gymnasium in der Stadt gingen. Das also, was der Landkreis in diesem Falle sowieso zahlen müsste.

Diese anteiligen Kosten sind fast schon marginal: Wir sprechen derzeit von ungefähr 7.000,– Euro. Das ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Denn: Die Hollfelder Schüler aus unserem Landkreis werden bislang schlechter gestellt, als ihre Mitschüler aus den Landkreisen Kulmbach und Bayreuth. Sie sind schlechter gestellt als die Schüler, die an ein ebenfalls staatliches Gymnasium in der Stadt (oder teils an ein Gymnasium oder eine Realschule in einem anderen Landkreis) gehen. Und sie sind schlechter gestellt als Schüler, die eine Privatschule besuchen (hier nämlich beteiligt sich der Freistaat zu großen Teilen über die Schule an den Schulwegkosten).

Fazit: Wir sollten stolz auf unsere Bildungslandschaft sein und wir sollten dafür sorgen, dass sie auch bestmöglich genutzt werden kann. Die Tatsache, dass wir den Schülertransport nach Hollfeld bislang den Eltern überlassen, wird diesem Anspruch nicht gerecht und sorgt für eine Schieflage. Lassen Sie uns heute diese Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen. Daher bitte ich Sie alle um Zustimmung zu unserem Antrag!“

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