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Prosit, Herr Landrat!

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Verstehen Sie auch nur noch „Bier, Bier, Bier…“ ?

Beschleicht Sie beim Blick in die lokale Presse seit geraumer Zeit auch das ungute Gefühl, das Wirken des Landrates sei etwas monothematisch ausgerichtet? Fragen Sie sich auch, ob es denn keine wichtigeren Themen gebe als nur noch Bier, Bier, Bier? Wundern Sie sich auch, dass das gewählte Oberhaupt des Landkreises auf nahezu jedem Foto einen Bierkrug in die Höhe stämmt? Machen auch Sie sich Sorgen, die entscheidenden Zukunftsfragen1 des Landkreises blieben auf der Strecke? Wirklich beruhigen kann ich Sie nicht…
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Angefangen hat alles noch vermeintlich harmlos. Wie man im Fränkischen Tag vom 04.03.2011 erfährt, kredenzte der jetzige Landrat schon als Buttenheimer Bürgermeister seinen Untertanen ein „Levi-Strauss-Bier“, Vorglühen fürs Volk quasi. Dass aber damals schon der Sinn für die Realität abhanden zu kommen drohte, macht folgende Aussage des edlen Bierstifters deutlich: „Buttenheim ist die schönste Gemeinde zwischen Nürnberg und Erfurt!“ Wurden hier die ersten Symptome sträflich übersehen?

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(Screenshot, Quelle: infranken.dehier geht es zum Artikel)

Kaum im Amte des Landrates jedenfalls brachen diese sich dann unaufhaltsam Bahn: „Mir fehlt noch ein Landkreisbier“ war als erste und bislang einzige Zukunftsvision vom neuen Amtsinhaber zu vernehmen. Gesagt, getan: Flugs wurde der Sud angesetzt und selbstredend auch gebührend darüber berichtet, wie etwa von der natürlich in Bamberg ansässigen Bierakademie am 21.07.2015. Hoch die Tassen!

Keine drei Monate später war der Gerstensaft, über dessen Geschmack man durchaus geteilter Meinung sein kann, zum Anstich bereit. Und so kam es im Frensdorfer Bauernmuseum zum großen und schlappe 11.446,– Euro teuren Zapfenstreich, bei dem der „bieraffine Landrat“ (sic!) von der Weißwurst- bis zur Bierkönigin „allem, was Rang und Namen hat im Landkreis Bamberg“ kräftig einen einschenkte, wie uns die Nürnberger Nachrichten beängstigend bebildert am 01.10.2015 schilderten.
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(Screenshot, Quelle: nordbayern.dehier geht es zum Artikel)

Doch der regionale Bierruhm schien nicht zu genügen. Auch den Sachsen wurde das flüssige Gold auf der LVZ-Reisemesse am Leipziger Hauptbahnhof ausgeschenkt. Da war es natürlich zur Grünen Woche in Berlin auch nicht mehr weit. Eine Verpflichtung sei es nachgerade für den Bamberger Landkreis, sein eigenes Bier zu haben, erfahren wir in einem eigens in Leipzig abgedrehten Filmchen. Dass da 500 satte Reinheitsgebotsjahre lang kein Amtsvorgänger darauf gekommen ist?

Weil mittlerweile erste Kritik am Bier-Landrat laut wurde, sah sich selbiger offensichtlich veranlasst, seinem Treiben eine vermeintliche Botschaft anzudichten: „Bier ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“ erklärt er uns in einer Pressemitteilung vom 06.10.2015. Dass deshalb das Bierbrauen auch Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge sei, behauptet man zum Glück (noch) nicht, wie man ja auch keinesfalls die Bevölkerung zu nachhaltigerem Alkoholkonsum anhalten wolle. Wen es dann aber doch erwischt, für den hat der Landrat bereits am 21.01.2016 tatkräftige Hilfe zur Hand: Mit dem „Wegweiser durch den regionalen Bierkosmos“ findet das Landkreis-Bier-Opfer dann hoffentlich auch wieder vom Wirtschaftsfaktor zurück nach Hause.

Während also der Landkreisbürger brav den politischen Vorgaben folgend durch den Bamberger Bierkosmos taumelt, holt der Bier-Landrat zum nächsten Schlag gegen die Bevölkerung aus und kredenzt den mittlerweile schon schwächelnden Untertanen ein satte 17 Grad Plato starkes „Jubel-Bock“-Bier, was zumindest den Fränkischen Tag vom 17.02.2016 der Fastenzeit zum Trotz zum Mitjubeln veranlasst, schließlich gehört so ein Reinheitsgebot zünftig begossen.

Es ist damit zu rechnen, dass der Bamberger Landkreis aus diesem Rausch nicht allzu frühzeitig erwacht. Spätestens im November 2016 jedoch sollte der Wähler wieder klaren Kopfes und durstig in den Startlöchern stehen, denn der Landrat ruft zu seinem neuesten Werk: Die „ProBier“ steht an, eine vom Landkreis Bamberg initiierte Biermesse. Und Entwarnung ist noch lange nicht in Sicht, denn wie uns das Landratsamt am 18.02.2016 per Pressemitteilung androht, bleibe der Landkreis auch weiterhin „bieraktiv“ (sic!) …

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1 Die Energiewende ist vollständig zum Erliegen gekommen – im Steigerwald geht es rückwärts statt vorwärts – in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung sieht es mau aus – bei der Entwicklung des ÖPNV ist Stillstand die Devise – die Verschuldung steigt – Bürgerinnen und Bürger sehnen sich nach Unterstützung, wenn es um Lärmschutz und Baumaßnahmen geht – die Regionalwerke dümpeln sinnentleert vor sich hin…

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