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Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen…

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Literaturfestival: Wer stellte eigentlich Förderanträge und für wen?

Wenn in Kürze die erste Ausgabe des neuen Bamberger Literaturfestivals über die Bühne gegangen sein wird, werden die Veranstalter ein positives Fazit ziehen. Viele Lesungen werden ausverkauft gewesen sein. Und das ist erfreulich, nicht nur für Veranstalter, Publikum und Künstler, denn es bewahrheitet sich auch, dass derartige Namen, wie sie „bamlit“ präsentiert, nicht aus Fördermitteln etwa der EU bezuschusst werden müssen. Dennoch wurden Förderanträge an LEADER, die Oberfrankenstiftung, den Landkreis und die Stadt gestellt, teils allerdings nicht vom Veranstalter des Festivals. War hier ein Strohmann unterwegs? Ein Blick auf die Abläufe der letzten Monate wirft einige Fragen auf.

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Bereits im Frühsommer war klar, dass es nicht der Landkreis Bamberg sein wird, der als Veranstalter des Literaturfestivals auftreten wird, vielmehr bezeichnen sich Veranstaltungsservice und Stadtmarketing e.V. als die „Macher“. Nachzulesen ist das in der regionalen Kulturzeitschrift „Art 5/3“. Warum aber stellt dann der Landkreis Bamberg im Juli 2015 als Projektträger einen Antrag auf LEADER-Förderung über 45.000,- Euro? Auch darauf findet sich an selber Stelle die Antwort: „… wir versuchen über den Landkreis Bamberg an so genannte LEADER-Fördermittel zu gelangen.“ Dies sei möglich, weil man mit dem Landkreis zusammenarbeite. Nachdem die Projektträgerschaft dann im August still und heimlich vom Landkreis auf die inzwischen um einen dritten Player erweiterte bamlit UG wechselt, bleibt die Frage, wie diese Zusammenarbeit eigentlich aussieht. Besteht sie am Ende darin, dass der Landkreis als Strohmann für Fördergelderanträge auftritt? Ein solcher Verdacht ist zumindest nicht von der Hand zu weisen. Man gewinnt den Eindruck, dieser Projektträgerwechsel sei von vorneherein so geplant gewesen.

Der Erklärungsversuch der LAG Region Bamberg (hier sprechen sich EntscheiderInnen für oder gegen LEADER-Förderanträge aus, ehe sie vom LEADER-Koordinator geprüft werden, den Vorsitz führt der Landrat) jedenfalls, ein solcher Wechsel sei notwendig gewesen, da nur ein einziger Projektträger erlaubt sei, ist wenig glaubhaft. Die LAG gibt es seit 2007, da sollten die Richtlinien mittlerweile bekannt sein. Nachdem die LAG Region Bamberg den Antrag durchgewunken hatte, kann es also nur der Koordinator gewesen sein, der die Förderung stoppte. Dies tut er, wenn er entweder die Förderwürdigkeit nicht gewährleistet sieht oder aber Verfahrensfehler feststellt. Und genau damit erklären die Veranstalter nun, dass die Förderung geplatzt sei. Man sei zu einem vorzeitigen Maßnahmebeginn gezwungen gewesen und habe daher den Antrag zurückgezogen. Wieder hätte ein Blick ins Regelwerk geholfen. Unter bestimmten Bedingungen ist ein vorzeitiger Maßnahmebeginn nämlich durchaus möglich. Mithin hat die Nachricht, dass man keine LEADER-Förderung erhalte, die Phantasie auf der Suche nach einer Begründung für die schlechte Nachricht ordentlich beflügelt…

Nun kann man sich schon mal überlegen, wie man es in Bälde dem geneigten Publikum und vor allem sich selbst erklärt, wenn auch Förderantrag Nummer Zwei gescheitert sein sollte. 22.000,– Euro hat man bei der Oberfrankenstiftung beantragt. Nachdem nun die bamlit eine Unternehmergesellschaft ist und die Oberfrankenstiftung ausschließlich gemeinnützige Träger fördert, bleibt nur der Landkreis als Antragsteller übrig. Der aber wiederum ist nicht der Projektträger beziehungsweise Veranstalter. Das klingt schon wieder nach dem Strohmann-Prinzip. Dem gesunden Menschenverstand folgend bleibt der Oberfrankenstiftung also nichts anderes als eine Ablehnung.

Dreht man nun den Spieß um, kommt man zu folgender Erkenntnis: Hätte man das Literaturfestival zum Beispiel als bamlit e.V. aufgezogen, wären der Region Bamberg (und ihren Menschen) eine Förderung von 67.000,– Euro zu Gute gekommen. Es wäre wohl doch gut gewesen, im Vorfeld etwas Transparenz walten zu lassen und das Thema zunächst mit den politischen Gremien sowie den Kulturschaffenden der Region gründlich zu diskutieren (der Freimaurer-Stammtisch ist kein beschließender Ausschuss!). Aber es musste ja mal wieder hopp la hopp gehen. Die politische Verantwortung für das Ausbleiben der Förderung hat der Landrat zu tragen. Hoffen wir, dass er aus dem Desaster lernt.

Insgesamt ist es ein Jammer, dass eine eigentlich so wunderbare Sache wie ein großes Literaturfestival von derartig vielen Ungereimtheiten und Missstimmungen (siehe etwa die Überschneidung mit den Bamberger Kurzfilmtagen) begleitet wird. Berthold Brecht und Marcel Reich-Ranicki hätten im Chor gerufen: „Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

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