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Hände weg vom Waldschutzgebiet!

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Die Diskussion um den „Hohen Buchenen Wald“ wird immer grotesker.

Da schlägt ein vogelwilder CSU-MdL aus den Hassbergen seine letzte Schlacht um die Stammtischhoheit und bezichtigt den Bamberger Altlandrat in peinlicher Bierzeltmanier der „Lumperei“. Dieser habe den Geschützten Landschaftsbestandteil „Der Hohe Buchene Wald“ bei Ebrach gegen den Willen der Bevölkerung und zudem juristisch unsauber ausgewiesen. Für den MdL Vogel jetzt nochmals zum Mitschreiben: Der Ausweisung liegt ein Votum des Bamberger Kreistages von 48:3 Stimmen zugrunde. Die Ausweisung ist nach §29 Bundesnaturschutzgesetz juristisch einwandfrei erfolgt. Hätte der MdL Vogel einigermaßen Anstand, er hätte sich längst beim Bamberger Altlandrat entschuldigt.
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(Screenshot BR: A. Lösche)

Hat er aber nicht. Und so kann man schon mal getrost zurückfragen, warum sich der Herr aus Unterfranken überhaupt in die Angelegenheiten des oberfränkischen Landkreises Bamberg einmischt. Schließlich verwehrt er in seiner „Lumperei“ – Rede vom 27.11.2014 allen Nichtsteigerwäldern die Mitsprache um die dortigen Wälder der Staatsforsten, die ja hoffentlich noch immer dem Staat und damit allen Bayern gehören. Folgte er seiner eigenen Logik, hielte er sich dann auch aus Angelegenheiten des Landkreises Bamberg heraus. Mit dem Stammtischgeplärr dieses Vogels jedenfalls kommen wir in der Diskussion um eine nachhaltige Zukunft der Steigerwaldregion keinen Schritt voran. Und wenn Vogel, Eck und Konsorten so weitermachen, dann bleiben ihnen bald keine Stammtische mehr. Das Kneipensterben im nördlichen Steigerwald ist längst im Gange…

Grotesk ist auch die neuerdings von den Landräten aufgebrachte Schnapsidee eines Weltkulturerbes im Steigerwald. Der Auftrag des Kreistages vom Dezember 2010 ist und bleibt eindeutig und gilt auch für den Landratsnachfolger, das Ziel heißt Weltnaturerbe. Und warum das so ist, ist glasklar: Das Potential des Steigerwaldes für eine Welterbebewerbung liegt nun mal in seinen herausragenden Buchenwaldbeständen. Hier liegt unsere Chance! Und wir haben uns verpflichtet, zum Schutze der Artenvielfalt Teile unserer Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Diese Unterschutzstellung gelingt nur im Staatsforst.

Nur mit einem „zusammenhängenden Schutzgebiet von nationaler Bedeutung“ besteht die Chance, den Titel Welterbe für den nördlichen Steigerwald zu bekommen. Die Kriterien der UNESCO sind da eindeutig. Das Trittsteinkonzept der Staatsforsten mag eine gute Sache für einen normalen Wirtschaftswald sein, für eine Bewerbung um ein Welterbe ist es völlig unzureichend. Das habe ich dem BR auf Anfrage auch so gesagt. Und dieses Welterbe ist dann ein Weltnaturerbe und nicht ein Weltirgendwashauptsacheerbeerbe, wie es sich die drei neuen Landräte der Region herbeifabulieren. Mit diesem Trittsteinkonzept würden wir uns bei der UNESCO schlicht lächerlich machen.

Vielmehr fordert die UNESCO eine Erweiterung der Weltnaturerbestätten „Buchenwälder in Deutschland“. Hier liegt die Chance des Steigerwaldes, die Tür steht einen Spalt offen. Denn das Waldschutzgebiet (korrekt: Geschützter Landschaftsbestandteil) ist die zumindest nicht aussichtslose Voraussetzung, die wir brauchen, um durch diese Tür zu gehen (noch besser wäre freilich ein Nationalpark). Deshalb haben wir Dr. Denzler bei seiner Ernennung zum Altlandrat als Dank für seinen Einsatz für den Steigerwald eine Rotbuche überreicht. Er hatte die Vorgaben des Kreistages vorbildlich umgesetzt.
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(Foto: Rudolf Mader)

Man sollte davon ausgehen, dass sich alle Beteiligten in dieser Diskussion einen erfolgreichen Baumwipfelpfad bei Ebrach wünschen. Das dürfte auch im Interesse der Staatsregierung liegen. Ein solcher Pfad aber muss vernünftig beworben werden können. Ohne ein hinreichendes Schutzgebiet und dem Titel Weltnaturerbe wird dies nicht gelingen. Der Baumwipfelpfad würde zum Millionengrab. Das kann niemand wollen. Auch deshalb gilt:

Hände weg vom Geschützten Landschaftsbestandteil „Der Hohe Buchene Wald“!

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