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Das Kunststupi… äh -stipendium

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Toll: Der Landkreis Bamberg hat jetzt ein halbes Kunststipendium, das völlig ohne Kriterien auskommt.

Das ist doch echt voll fies: Die Stadt Bamberg vergibt gleich drei Kunststipendien und beherbergt auch noch ein internationales Künstlerhaus. Und was ist mit dem Landkreis? Nix, null, nüscht, niente! Handlungsbedarf, dachte sich der Landrat: Wir wollen so was auch, mindestens ein halbes, unbedingt, wurscht für wen, wozu oder was auch immer. Es wurde also eine „Idee entwickelt“ <sic>: Und so loben nun Stadt und Landkreis zukünftig alternierend das ab demnächst beinahe so genannte „Kunststipendium Bamberg“ aus.

Tolle Sache eigentlich, denn die Förderung der heimischen Künstlerszene ist tatsächlich eine wichtige Sache und verdient Unterstützung. Dazu aber müsste man schon auch ein paar Kriterien festlegen: Wer soll gefördert werden? Soll das Stipendium den besonders talentierten Nachwuchs während des Studiums unterstützen oder aber Absolventen helfen, die ersten freischaffenden Schritte auch finanziell hinzubekommen? Gibt es eine Altersbeschränkung? Welche Kunstform soll gefördert werden? Findet das Ganze im Austausch mit anderen Stipendiaten statt? Ist die Förderung inhaltlich in irgendeiner Weise mit dem Landkreis konnektiert? Gibt es Konzepte? Und wie wird eigentlich definiert, wer als Künstlerin oder Künstler im Sinne des Erfinders infrage kommt? Gilt die Ausschreibung nur für Einzelpersonen oder auch Künstlergruppen? So etwas nennt man Vergaberichtlinien und solche Richtlinien sind das Gerüst, das Sinn, Zweck und Zielsetzung eines Stipendiums beschreibt.

Normalerweise geht das so, normalerweise, aber der Landkreis Bamberg ist eben kein Normalo, wie im Kultur- und Sportausschuss deutlich wurde. Alles egal, Hauptsache wir haben auch ein Stupi…, pardon, Stipendium. Da dürfen jetzt alle mitmachen, vom 2-jährigen Starfotographen bis zum 99-jährigen Breakdanceakrobaten, Hauptsache man stammt aus Stadt oder Landkreis Bamberg. Das ist tatsächlich das einzige Kriterium, das sich auf satten Eineinviertel Seiten „Vergaberichtlinien“ findet! Man hätte ja mal ein bisserl googleln oder sich bei anderen Stipendiensponsoren erkundigen können, was so eine Förderung ausmacht. Die Überlegung, welches Alleinstellungsmerkmal ein solches Stipendium zumindest für die Region haben könnte und welcher Mehrwert für den Landkreis entsteht, hat nicht stattgefunden. Alles bleibt willkürlich, beliebig und ganz und gar wischi-waschi.

Und das Allertollste: Eine „Präsentation des Arbeitsergebnisses ist nicht zwingend erforderlich“ heißt es doch tatsächlich in dem offensichtlich dann doch ziemlich hingeschluderten Richtlinienkatalog ohne Richtlinien. Mal dumm gefragt: Ist nicht gerade die öffentliche und medienwirksame Präsentation, zum Beispiel in Form einer Ausstellung, eines Konzertes, einer Dichterlesung, einer… – da haben wir schon das Problem der Konzeptlosigkeit -, die Quintessenz eines Stipendiums? Sollte die Bühne für Künstlerin oder Künstler am Ende die Förderung nicht auch zu einem wenigstens kleinen Erfolg machen? Ach so, auch wurscht, wie gesagt: Hauptsache wir haben jetzt auch ein Stipendium…

Eine vernüftige Förderung mit klarem Konzept und spezifischer Ausrichtung wäre eine gute Sache. Aber leider: Mein Antrag auf Überarbeitung und Wiedervorlage ließ die versammelte Kunstexpertenschar kalt. Letztlich wurden alle Argumente in den Wind geschlagen, nur die Sache mit dem Mehrwert für den Landkreis wurde dann folgendermaßen „verstanden“: Jetzt heißt das Ding „Kunststipendium Region Bamberg“. Das ist dann natürlich viel, viel besser…

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