www.andreas-loesche.com

Hut ab!

| 0 comments

Die Generation Haudrauf-Stammtisch-Politiker geht in Rente

Ein bisschen Grünen-Bashing, eine Portion SPD-Diffamieren, eine Runde inhaltsloses Gepolter… – und fertig ist das politische Konzept. Ich befürchte, dass sie mir fehlen werden: Diese ganz besondere Sorte CSU-Haudrauf-Stammtisch-Politiker, diese Melange aus Mini-FJS und Möchtegern-Gauweiler, die sich in bayerisch-fränkischen Landen über Jahrzehnte in den Parlamenten tummelten. Fehlen werden sie mir, weil sie doch stets auch eine wunderbare politische Realsatire abgaben. Sie werden aber immer weniger, sind inzwischen gleichsam ein Relikt aus einer anderen politischen Zeitrechnung. Im Kreistag zu Bamberg nahm nun eine besondere Paradeausgabe dieser Spezies seinen Hut. 

Besonders störend empfand der nun abtretende Hutträger und Bauunternehmer natürlich querulierende Oppositionspolitiker, deren kritisches Hinterfragen nur die Sitzungen unnötig in die Länge zogen, schließlich war man ja nicht im Kreistag, um das Wohl und Wehe des Landkreises ausgiebig zu diskutieren und Entscheidungen sorgfältig abzuwiegen. Kostet alles nur viel zu viel Zeit und bringt keine Aufträge. Und weil unserem Lieblingsreporter die Sitzungen auch zu lange dauern, jubiliert er den nun Ex-Kreisrat zitierend gleich mit: „Bei seinem Einzug in den Kreistag 1987 ‚hat es noch keine Grünen gegeben’ und die Sitzungen nahmen weniger Zeit in Anspruch.“ (FT vom 12.04.2014, indirekte Rede Fehlanzeige). Sogar die SPD sei seither menschlicher geworden.

Einmal mehr fehlt, was zu einem solchen Rückblick auf das politische Wirken des Bauunternehmers aus journalistischer Sicht wichtig gewesen wäre. Der gute Mann sorgte nämlich im Bamberger Kreistag für einen handfesten Skandal, indem er der SPD 2005 öffentlich den Volksgerichtshof an den Hals wünschte und Redeverbot für die Genossen forderte. Die SPD stellte erfolglos Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung. “Die verbalen Ausfälle des Bamberger Kreisrats Georg Pfister (CSU) bleiben ohne juristische Folgen.” (SZ vom 29.03.2005).

Auch sonst wurde viel Stuss geredet, legendär und schon fast preisverdächtig, irgendwo zwischen peinlich und wahnsinnig, ein Auftritt bei einem kleinen CSU-Parteitag. „Politik wird am Stammtisch gemacht“ lautet der Überzeugung folgend das Credo. Als solchen hätte er wohl auch den Kreistag gerne gesehen. Wer am lautesten plärrt, hat Recht. Schrill auch so manche Zeitungsente, die der Mann mit Hut produzierte, Hauptsache im Gespräch bleiben. Mal sollte ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen, dann wieder ein Freizeitland. Besonderes Highlight: Eine Christusstatue sollte á la Rio de Janeiro über dem Maintal thronen. Aus all dem wurde natürlich nichts, zum Glück. Vermutlich aber baut er sich jetzt noch rasch selbst ein Denkmal, selbstredend mit Hut. Alles Gute!

Leave a Reply

Required fields are marked *.

*