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Kleine Wunder in Aschbach

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… oder doch nur große Show?

Ein Schreiner ist da und repariert hoffentlich die undichten Fenster. Ein Elektriker installiert an diesem Montag Morgen sechs Herde älterer Bauart in der Küche, wo bislang nur ein großer Gasherd stand. Und hie und da sieht man Silikon-Tuben herumliegen. Die schimmligen Fugen in den Nasszellen wurden ersetzt. Es tut sich also wenigstens ein bisschen in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Aschbach. Als wir vor zwei Monaten hier waren, trafen wir auf erschütternde Umstände. Unser Uffenheimer Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz hatte darauf in einem Brief den Bamberger Landrat ermahnt für Besserung zu sorgen. Das Antwortschreiben ging just am Tage unseres zweiten Besuches ein. Als wir nun in Begleitung des Bayerischen Rundfunks unseren angekündigten Kontrollbesuch machen, treffen wir zu unserer Überraschung auf Handwerker. Wie wir erfahren, sind diese aber heute zum ersten Mal hier. Kosmetische Beruhigungspillen für Presse und Politik?

Es hat leider den Anschein, denn es sind die ersten mehr als ganz kleinen Maßnahmen, die vorgenommen werden. Aber auch kleine Verbesserungen sind Verbesserungen, und das freut uns. So wird jetzt wohl der Müll öfters geholt. Es wurden einige Lichtschalter erneuert. Fast alle Lampen sehen jetzt auch wieder wie Lampen aus und wurden sogar mit Glühbirnen versehen. Kleine Schritte in die richtige Richtung. Einige Gefahrenquellen insbesondere für die Kinder sind also verschwunden. Durch die Dachfenster rinnt natürlich nach wie vor der Regen und die Teppiche darunter sehen dementsprechend aus. Das lässt sich ja auch nicht mal rasch an einem Montagmorgen erledigen. Aber immerhin: Unser Besuch im August, der Brief an den Landrat, die Ankündigung des BR und unser neuerliches Erscheinen haben wenigstens kleine Verbesserungen erwirkt. Das ist gut, reicht aber natürlich noch lange nicht. Und wir wundern uns, warum diese Maßnahmen nicht längst vor Monaten geschehen sind. Müssen sich tatsächlich erst Bundestagsabgeordneter und Fernsehen ankündigen, damit man im Landkreis Bamberg Flüchtlinge wenigstens ein bisschen besser behandelt? Braucht es tatsächlich erst den öffentlichen Druck, bis man sich in Bewegung setzt? Und wir fragen uns: Sollten wir deshalb sicherheitshalber regelmäßig kommen?

Eine schäbige Unterkunft in für Asylbewerber unmöglicher Lage bleibt dieses ehemalige Hotel, in das garantiert niemand mehr absteigen würde, in jedem Falle. Und diese Form von Zu-Ende-Wohnen einer ansonsten nicht mehr zu vermittelnden Immobilie ist ein Geschäftsmodell, das schamlos die Not der Menschen ausnützt und sich leider in unserem Lande zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Betreiberin, die im Eingangsbereich alle ihr unbekannten Besucher vorsorglich des Hausfriedensbruchs bezichtigt (auch Asylbewerber haben ein Recht auf Besuch!) und mit Polizei droht, stört das offensichtlich wenig. Sie gibt ganz die gute Hausmutter, stets um das Wohl der ihr Anvertrauten besorgt, auch wenn diese („die Autotür muss ich geschlossen halten, sonst ist alles geklaut“) das Haus seit ihrem Einzug („es war in einwandfreiem Zustand“, O-Ton!) heruntergewohnt und zum Beispiel etliche Waschbecken zerstört hätten.

Aha! Man steckt Menschen in völlig heruntergekommene Behausungen und wirft ihnen wenige Monate später dann vor, am Zustand der Immobilie selbst Schuld zu sein! Akut in Gefahr durch die Bewohner des Hauses sieht die Betreiberin laut eigener Aussage auch die Hühner und Gänse in Nachbars Garten. Dabei ist es die Betreiberin, die mit der Not der Flüchtlinge den Reibach macht. Vom Fernsehteam gefragt, wie viel sie pro Person und Tag kassiere, beharrt sie darauf, dass es „nur“ 14,– Euro seien. Sie könne den Vertrag zeigen, bleibt ihn dann aber schuldig. Wir halten diese 14,– Euro für eine Falschaussage. Mittlerweile haben wir Bestätigung: es sind 21,42 Euro. Traurig in diesem Zusammenhang, dass eine Mitarbeiterin des Landratsamtes doch tatsächlich denjenigen, die sich für die Belange der Asylbewerber einsetzen, vorwirft, sie würden Ausländerfeindlichkeit einen Vorschub leisten, da der Zustand des Hauses die Vorurteile der Bürgerinnen und Bürger gegenüber Asylberwerbern bestätige. Was ist das nur für eine verdrehte Denkwelt? Wenn man derartiges aus dem Munde der Verantwortlichen hört, wundert es wenig, dass es eben doch erst ordentlich öffentlichen Druck braucht, damit sich diese Verantwortlichen in Bewegung setzen. Von einem Suchen nach zeitnahen Lösungen, wie das Landratsamt beteuert, kann jedenfalls keine Rede sein.

Neben dem Zustand der Gemeinschaftsunterkunft ist auch die Lage des Hauses mehr als ungeeignet. Eine Fahrt zum Amt nach Bamberg wird zur Tagesreise und kostet hin und zurück etwa ein Viertel des Geldes, das Asylbewerbern monatlich zusteht. Einkaufsmöglichkeiten Fehlanzeige. Dabei hätten Landkreis und Bezirk neuerdings die Möglichkeit anstatt Essenspakete zuzuteilen die Verpflegungskosten auch bar auszuzahlen. Das wäre ein erheblicher Gewinn an Lebens- und Ernährungsqualität für die Flüchtlinge und verursachte deutlich weniger Aufwand und Kosten. Wenn man die Menschen aber möglichst stadtfern und ohne jede Einkaufsmöglichkeit in großen Einheiten unterbringt, geht das natürlich nicht. Hier sind Landkreis und Bezirk gefordert. Und andere Landkreise machen vor, dass es auch anders und damit menschlicher geht: Schlüsselzuweisungen an die einzelnen Kommunen etwa könnten eine Möglichkeit sein. In normalen Wohneinheiten untergebracht, gelänge Integration viel besser. Aber ist diese tatsächlich gewollt? Der Betreiberin in Aschbach hat man vermutlich eine andere Devise mitgeteilt, wenn sie doch tatsächlich in die Kamera sagt, dass sie stolz darauf sei, die höchste Rückführungsquote in Oberfranken aufweisen zu können…

Immerhin, es geschieht nun wenigstens das Selbstverständlichste in Aschbach von Seiten des Landkreises und der Betreiberin, wenn auch erst unter öffentlichem Druck. Besonders gefreut hat uns da zu hören, dass der engagierte Schulleiter des Ortes gemeinsam mit einer Lehrerin nun den Unterricht für die schulpflichtigen Kinder organisiert hat. Es gibt also zum Glück einige Lichtblicke…

 

Und weil uns das Landratsamt Bamberg gebeten hat, das Antwortschreiben auf Uwe Kekeritz’ Brief vom 09. August 2013 zu veröffentlichen, mache ich das natürlich gerne, hier ist es:

Brief von Uwe Kekeritz, MdB an den Bamberger Landrat (vom 09. August 2013)

Antwortschreiben aus dem Landratsamt Bamberg (eingegangen am 14. Oktober 2013)

4 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Lösche,

    leider haben Sie auch Ihre neue Kritik wieder geschrieben, ohne zuvor das Landratsamt zu kontaktieren. Warum waren Sie bei den Filmaufnahmen in Aschbach nicht zu der Uhrzeit da, die der Bayerische Rundfunk mit dem Landratsamt ausgemacht hatte, sondern nur vorher? Dass Sie die Sichtweisen Ihrer vermeintlichen Gegner nicht wahrgenommen haben oder nicht wahrnehmen wollen ist meiner Meinung nach der Grund dafür, dass Sie nun zum zweiten Mal Unwahrheiten geschrieben haben. Das ist nach § 186 oder § 187 des Strafgesetzbuchs (üble Nachrede oder Verleumdung) strafbar.

    Es macht keinen Sinn, Feindbilder aufzubauen oder zu pflegen. Den Asylbewerbern hilft nur ein anhand der konkreten Situation geführter sachlicher Dialog. Deshalb antworte ich jetzt auf Ihren Kommentar nicht im Detail, sondern lade Sie zu einem Gespräch ins Landratsamt ein. Das Gespräch solle ca. zwei Stunden dauern und zwei Themen haben: zum einen den sachlichen Austausch über die Situation in Aschbach und zum anderen die Frage, wie wir miteinander kommunizieren.

    Ich werde eine Person zum Gespräch mitbringen, wahrscheinlich meinen Kollegen Matthias Schmolke. Sie können dies auch tun. Bitte vereinbaren Sie unter 0951 / 85-501 einen Termin und teilen Sie auch mit, ob Sie jemanden mitbringen und wen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Uta von Plettenberg
    Oberregierungsrätin
    Landratsamt Bamberg
    Geschäftsbereich Soziales,
    Jugend und Familie, Gesundheit
    Ludwigstr. 23
    96052 Bamberg

  2. Sehr geehrte Frau von Plettenberg,
    zunächst vielen Dank für Ihren Beitrag!
    Eine Einladung an das Landratsamt und den Herrn Landrat zu einem Treffen haben wir ja bereits direkt nach unserem ersten Besuch in Aschbach Anfang August ausgesprochen. Schön, dass es darauf nun von Ihrer Seite eine Reaktion gibt und Sie nun in einen Dialog bezüglich der Situation in Aschbach treten wollen. Das freut uns. Sehr gerne versuche ich mit Uwe Kekeritz, MdB einen Termin zu finden.
    Meine Beiträge auf diesem Blog entsprechen voll und ganz dem, was wir in Aschbach hören und sehen. Es verwundert schon ein wenig, wie dünnhäutig man im Landratsamt Bamberg auf berechtigte Kritik reagiert.
    Warum sollten wir einen Termin mit dem Bayerischen Rundfunk mit dem Landratsamt Bamberg koordinieren? Ihre Frage liese sich auch umdrehen: Warum waren Sie nicht bereits um 11.00 Uhr in Aschbach?
    Wie auch immer. Sobald wir einen konkreten Terminvorschlag haben, melde ich mich bei Ihnen…
    Bis dahin beste Grüße
    von Andreas Lösche

  3. Ui, ui, ui, das ist ja schon fast eine öffentliche Vorladung. Aber immerhin ein Gesprächsangebot. Woanders wechseln Menschen die Bürgersteigseite, wenn ihnen ein Grüner entgegen kommt.

    Ein “sachlicher Dialog” soll nun die Situation dieser Menschen verbessern.

    Den betroffenen Asylbewerbern wäre ein aktives und humanes Handeln sicherlich lieber.

  4. Pingback: Die Sitation im Lager Aschbach - jetzt in TV und Radio - Freund statt Fremd

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