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Stammtischhoheit 2013

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Mein kleines Tagebuch im Wahljahr (7)

Die viel zitierte Stammtischhoheit scheint es zu sein, um die es in diesen Wochen vor den Wahlen in Bayern und im Bund so manchen ganz besonders zu gehen scheint. Allen voran der bayerische Ministerpräsident wirft behände erst kürzlich höchstpersönlich samt Ministerrat getroffene Entscheidungen über den Haufen, wenn es dem Ziel dient, hie und da ein paar der vermeintlich eigenen WählerInnen zu beruhigen. Jüngstes Beispiel: Abstandsflächen beim Windkraftausbau. Dabei hatte die Staatsregierung im Dezember 2011 endlich einmal etwas richtig gemacht.

Damals nämlich, genau am 20.12.2011, wurde im Winderlass der bayerischen Staatsregierung ein Mindestabstand von Windrädern von „800 m zu einem allgemeinen Wohngebiet“ festgelegt. Dies ist ein wohl abgewägter Abstand, in besonderen Fällen sicherlich diskutierbar. Vorranggebiete schützen vor Wildwuchs und der so genannten Verspargelung. Kaum 18 Monate später redet der Ministerpräsident einigen Energiewendegegnern aus Unterfranken das Wort und plappert ihnen einen „Mindestabstand von 2.000 m“ nach. Viel gedacht haben kann er sich dabei nicht (oder gerade eben doch!?), denn damit würde der Ausbau der Windenergie und damit die Energiewende faktisch zum Erliegen kommen. 2 km in die eine Richtung bedeutet natürlich auch 2 km in die andere, summa summarum also 4 km. Die Windkraft wäre in Bayern gestorben, was nicht nur die Energiewende verhindert sondern auch wirtschaftlich großen Schaden anrichtet. Wer einen Mindestabstand von 2.000 m fordert, ist ein Gegner der Energiewende. Dies sollten sich die vermeintlichen Heimatschützer gut überlegen. Dass sie dabei ausgerechnet dem Grafenrheinfelder Atomkraftwerksleiter folgen, der sich derzeit als größter Anti-Windkraft-Lobbyist weit und breit aufspielt, sollte erst recht zu denken geben.

Und da passen jetzt die neuesten Meldungen wunderbar ins Bild und kommen alles andere als überraschend: Das bayerische Umwelt(!)ministerium will einer Leistungserhöhung des AKW Gundremmingen zustimmen. Das ist ein glatter Salto rückwärts in Sachen Energiepolitik, unverantwortlich in jeder Hinsicht. Millionengewinne für die Energiedinosaurier, Planungsunsicherheit für die Zukunftsbranchen. Wer eine derartige Energiepolitik betreibt, der will keine Energiewende und der verhindert sie systematisch.

Ein wirtschaftlich wie ökologisch (und übrigens auch friedenspolitisch) derart zukunftentscheidendes Thema wie eine konsequente und planungssichere Energiewende mit dieser Brachialgewalt gegen die Wand fahren zu wollen, nur um an einigen Stammtischen wieder ein bierseliges „Jawohl! So ist’s recht!“ entgegengejubelt zu bekommen, wird Bayern ganz bestimmt nicht zukunftsfähiger machen. Dabei ist es höchste Zeit. Die gerade erst durchs Land gerollte Flut hat es doch wieder gezeigt: Die durch die Klimaerwärmung entstehenden Schäden werden um ein zigfaches höher liegen als die Kosten des Umbaues unserer Energieversorgung. Dass auch das neuerliche Hochwasser eine Folge des Klimawandels (und seine Auswirkungen der fortwährenden Flächenversiegelung zu verdanken sind) ist, daran zweifelt kaum ein Forscher mehr. Alleine das erste Hilfspaket von Bund und Land wurde mit 8 Milliarden Euro geschnürt!

Und weil wir die Stammtischhoheit ganz sicher nicht denen überlassen wollen, die die Energiewende verhindern möchten anstatt an ihr mitzuarbeiten, werde ich diesen Sommer verstärkt auf den Bierkellern unserer schönen Region diskutieren. Die Bierdeckel zum Gesprächsstart gibt es schon. Und so ein Stammtisch ist ja eine wunderbare Sache…

3 Comments

  1. Hallo Andreas,
    nettes Informationsfaltblatt, das mir da per Post ins Haus gekommen ist, doch “Nur steter Tropfen höhlt den Stein, fällt jedoch gar kein Tropfen, so hinterlässt das nicht einmal einen Spritzer!”
    Oder mal anders formuliert:
    Es ist Deinem Flyer nicht zu entnehmen bei WELCHER Wahl Du gewählt werden willst, WANN die ist und WO.

    Es grüßt Dich christian aus Staffelbach

  2. Danke Christian,
    aber das ist durchaus so gewollt und ein Versuch Interesse oder Neugier zu wecken. Auf allen anderen Veröffentlichungen findet sich der Hinweis dann schon…
    Herzliche Grüße vom Andy

  3. Naja Herr Lösche, bei den Abstandregeln kommen wir nicht zusammen :-) , hier hat Herr Seehofer erkannt, dass die bestehenden Abstände bei 200m und größeren Windrädern bei den betroffenen Bürgern nicht mehr gesellschaftskompatibel sind. Das zeigt auch das Urteil des OVG München zur Impulshaltigkeit einer Enercon E82, über 45 db(A) in 850m Entfernung bei einer Wohneinheit, die gemäß Winderlass in 500m Abstand errichtet werden durfte (nachzulesen im Spiegel #27). Nur nibelungentreu festzuhalten an alten Positionen ist hier kontraproduktiv, hier müssen sich die Grünen bewegen, ansonsten wird Euch das über kurz oder lang auf die Füße fallen, da bin ich mir sicher. Bei Grundremmingen gebe ich Ihnen völlig recht.
    MfG Heinz Ruder

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