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Alle Wege führen nach Frankens Rom?

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Gedanken zum Nahverkehr in und um und um Bamberg herum…

Jetzt muss Frau Müller zum Arzt und zwar in die Stadt. Herr Müller ist auch dort, auf Arbeit. Und weil hier kein Bus fährt und der Bahnhof schon vor Jahrzehnten dicht gemacht hat, haben die Müllers zwei Autos. Das ist praktisch, so kommt Sohnemann Müller am Wochenende wenigstens in die Disco. Dann schlafen die Müllers meistens schlecht.

Oma Meier von nebenan kommt eigentlich gar nicht mehr fort, kann sich aber noch erinnern, wie das damals mit dem Bahnhof war. „Prima“, sagt sie, „in acht Minuten in Bamberg.“ Und heute? Arztbesuche? Einkaufen? Kirwa im Nachbarort? „Da kommt dann mein Sohn aus Würzburg und der fährt mich dann mit dem Auto…“

Mit dem Beitritt der Region Bamberg zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) schien Besserung in Sicht. Doch die Planungen zu einem gemeinsamen Nahverkehrsplan für die über 200.000 Menschen in Stadt und Landkreis Bamberg gerieten zu einer Hängepartie. Am Ende wird der Nahverkehrsplan wohl gerade einmal den unbefriedigenden Jetztzustand erhalten. Dabei wäre es endlich an der Zeit, die Verkehrspolitik mutig und grundsätzlich neu zu denken. Viele gute Ideen und Konzepte gibt es längst, die Mobilität der Zukunft vernünftig in den Griff zu bekommen.

Feststeht in jedem Falle, dass die Landkreiskommunen deutlich besser an einen insgesamt funktionierenden ÖPNV angebunden sein müssen. Dies wird in Zeiten stetig steigender Benzinpreise sowie der Alterung unserer Gesellschaft ein wichtiger Standortfaktor für die Gemeinden werden. Wer will schon von der Mobilgesellschaft aufs Abstellgleis gestellt werden. Ein flächendeckender ÖPNV aber wird Geld kosten, viel Geld. Wo soll das herkommen? Und wie kann so ein neu gedachter ÖPNV in unserer Region aussehen?

Wie wäre es zum Beispiel mit einer City-Maut für Bamberg, wie sie der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer gerade für seine Stadt ins Spiel gebracht hat? Freilich fehlen dazu derzeit die rechtlichen Grundlagen, Charme hat diese Idee aber in jedem Falle, in London gibt es sie seit 10 Jahren. Sie bringt viele britische Pfund in den Stadtsäckel, womit dann das durchaus beachtenswerte Londoner ÖPNV-Netz instand gehalten und weiter ausgebaut werden kann. Die Akzeptanz der Öffentlichen ist in London tatsächlich gestiegen und der motorisierte Individualverkehr signifikant zurückgegangen. Für bessere Luft sorgt dies allemal. Jetzt ist Bamberg nicht London, aber immerhin das fränkische Rom, und nachdenken könnte man ja mal darüber…

Wie wäre es mit der Wiederinstandsetzung von ehemals existierenden Schienenwegen? Agilis etwa macht es vor. Das „Schäätzer Bockäla“ ist den Älteren noch in bester Erinnerung. Und wie wäre es, wenn in Staffelbach und anderorts zumindest ein paar Mal am Tag wieder ein Triebwagen hält? Übrigens: Bamberg hatte mal eine Straßenbahn! Ein Hauch von Lissabons Bairro Alto, wenn das „Bockäla“ auf den Kaulberg schnaufte.

Wie wäre es mit einer Nutzung der Wasserstraßen? Bamberg ist ja auch das Venedig des Nordens. Mit Regnitz, Main und Main-Donau-Kanal sind wir hier geradezu gesegnet. Wasserbusse verbinden die Orte an Kanal und Flüssen miteinander und mit der Stadt. In anderen Städten hat sich so etwas zu einer Touristenattraktion entwickelt.

Wie wäre es mit einem Ausbau des Radwegenetzes? Manchmal wirkt auch eine Fuß- und Radwegebrücke an geeigneter Stelle Wunder. Vor Jahren angedacht, hat sich aber leider zum Beispiel in Sachen Mainbrücke zwischen Bischberg und Oberhaid nie wirklich etwas getan. Diese Verbindung aber würde allerhand bewirken.

Wie wäre es damit, den Verkehrstrom nicht mehr nur sternförmig auf die Stadt und aus ihr hinaus zu denken? Ringschlüsse wären sinnvoll, würden die Attraktivität der Gemeinden deutlich stärken. Einkaufen nämlich kann man auch auf dem Land. Und die Gastronomie unseres Landkreises sucht sowieso ihresgleichen. Einheimische wie Besucher wären gleichermaßen beglückt.

Wie wäre es damit, Mobilität gänzlich neu zu denken? Viel zu sehr assoziieren wir mit dem Begriff Verkehr das Fortbewegungsmittel Automobil. Busse, Bahnen, Boot, Rad und das gute alte Laufen aber fristen für viele ein Schattendasein. Das Auto und seine Nutzung in der heutigen Form aber muss und wird von ganz anderen Verkehrskonzepten abgelöst werden. Gerade erst forderte Thomas Straubhaar vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut die Abschaffung der Pendlerpauschale. Er geht sogar noch weiter und regt eine Pendlersteuer an. Die Gesellschaft erleide durch Pendler Negatives und Folgekosten: Staus, Unfälle, Straßeninstandhaltung, Landschaftszersiedelung. Dieser Ansatz ist in jedem Falle zu begrüßen.

Pendeln an sich jedoch wird sich nicht abschaffen lassen, die Mobilität ist Teil und Wesensmerkmal unserer Gesellschaft. Deshalb muss sich die Mobilität als solche wandeln, und zwar grundlegend. Dies wird nur gelingen, wenn das Umsteigen attraktiv und lohnend wird. Wenn der Wandel aber erst einmal in Gang gekommen ist, wird sich zeigen, dass der ÖPNV durchaus eine attraktive und entspannende Angelegenheit sein kann. Und je mehr Menschen auf Öffentliche umsteigen, je besser sie angenommen werden, desto leichter wird es mit dem qualitativen wie quantitativen Ausbau, an den Bedürfnissen derer orientiert, die sie nutzen oder noch nicht nutzen. Die Sache muss nur ins Rollen kommen. Es liegt an uns selbst, unsere gewandelte Mobilität in Hände und Beine zu nehmen, sie aber auch einzufordern, wo immer Ewiggestrige dem alten Glauben anhängen, der permanente Straßenausbau sei die einzig sinnstiftende Lösung.

Das Ganze wird auch eine enorme Anschubfinanzierung brauchen. Die aber wird eine zukunftsweisende Investition sein, eine, die sich rechnen wird. Fahrscheinfrei, kostenlos also, darf das aber sicher nicht daherkommen, denn auch der ÖPNV ist nicht klimaneutral, immerhin aber Ressourcen schonend. Pauschale Gebühren helfen da auch nicht weiter, denn wer mehr fährt, soll auch mehr zahlen. Deutlich günstiger als das Privatfahrzeug aber soll er dann schon sein, der ÖPNV der hoffentlich nahen Zukunft.

One Comment

  1. Sinnvolle Vernetzung:
    Wie wäre es, die Endhaltestellen der Stadtbusse zu Knotenpunkten zu machen, so daß nicht sämtliche Busse aus der Region bis mitten in die Stadt müssen. In Drosendorf (Linie 7) wäre das sicher schon jetzt problemlos möglich (Beispiel Hannover). Oder die Bahn nach Scheßlitz wird reaktiviert (dies wurde in wird gerade in Bremen gemacht und dort die Linie 4 sogar über die Stadtgrenzen hinaus nach Lilienthal erweitert). Dann wäre Scheßlitz ein Knotenpunkt und von dort könnte es einen Ringbus über Breitengüßbach, Baunach, Oberhaid, Viereth, Walsdorf, Stegaurach, Frensdorf, Hirschaid, Strullendorf, Litzendorf, Scheßlitz geben.

    Für schwach besiedelte Gegenden bietet sich ein Rufbus – System à la Wunstorf an. Gibt es schon seit bald 30 Jahren.

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