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Die Sache mit der Nachhaltigkeit

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„Nachhaltigkeit“ – was für ein wunderbarer Begriff! Wir halten vor, denken an morgen und an künftige Generationen gleichermaßen, nutzen Ressourcen bewusst, schlicht das Gegenteil von „nach uns die Sintflut“. Wenig verwunderlich, dass es dieses schöne Wort in den letzten Jahren zum Modewort von Politik und Wirtschaft schlechthin gebracht hat. Alles und jede/r will nun plötzlich „nachhaltig“ sein. Eigentlich gut so, allein: Ich kann das Wort „Nachhaltigkeit“ nicht mehr hören! Da hat mir jemand nämlich jetzt „des Kraut ausg’schütt“ … und zwar nachhaltig:

„Nachhaltigkeit“ kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Mit „Nachhalten“ meinte man, stets nur so viel aus dem Wald zu holen, wie in absehbarer Zeit nachwachsen kann, vernünftig wirtschaften also, mit Blick auf den nächsten Winter ebenso wie auf nachfolgende Generationen. Förster, sollte man meinen, wissen also, was nachhaltig ist, Berufsehre quasi.

Dass jetzt ausgerechnet das Bayerische Landwirtschaftsministerium und mit ihm die Staatsforsten den Betriff „Nachhaltigkeit“ nachhaltig missbrauchen, das hat dann schon eine besondere Note. Da soll nun in Handthal im schönen Steigerwald also ein so genanntes „Zentrum Nachhaltigkeit Wald“ entstehen. Ein Haus der Nachhaltigkeit, den Menschen zum Vorbild, gelebte Nachhaltigkeit für jede/n greifbar gemacht. Klingt gut, ist es aber keineswegs.

Die Konzeption dieses Nachhaltigkeitszentrums nämlich ist eben alles andere als nachhaltig. Unter dem Deckmäntelchen des so positiv besetzten Begriffes will man dem schützenswerten Buchenwald an den Kragen. Werbung soll hier betrieben werden, Werbung für die Forstwirtschaft, wie man sie in Reihen des Brunner’schen Ministeriums und der Staatsforsten versteht und derzeit allenthalben praktiziert. Nicht nur der Spessart kann ein trauriges Lied davon singen. Brunner gab unlängst die Devise aus den Einschlag im Privatwald zu erhöhen, auch im Staatsforst hält man sich daran. Selbst die so genannten Methusalembäume sind vor den Harvestern nicht sicher.

Man praktiziert mithin das Gegenteil von dem, was nun in diesem „Zentrum Nachhaltigkeit Wald“ angeblich propagiert werden soll, eine nachhaltige Waldwirtschaft nämlich. Ist das glaubwürdig? Nicht wirklich, die Konzeption des Zentrums verrät die Scheinheiligkeit des Projektes: Es geht nicht um den Schutz, es geht ausschließlich um den Nutzen, der sich aus dem Wald ziehen lässt, Biodiversität oder Naturschutz spielen keine Rolle, die unweit gelegenen Naturwaldreservate werden noch nicht einmal erwähnt. Eine ÖPNV-Anbindung ist bislang nicht angedacht, ebenfalls wenig nachhaltig.

Alles andere als nachhaltig erweist sich auch die Satzung des demnächst zu gründenden Trägervereins: Die Umweltverbände wurden gar nicht erst eingeladen, die Nationalparkgegner sind bei der Trägerschaft dieses Zentrums schier unter sich. Einmal mehr zeigt sich, was eigentlich hinter dem Vorhaben steckt, nämlich eine Nationalparkverhinderungsstrategie einiger Herrschaften aus dem Unterfränkischen, die in den letzten Jahren die Nationalparkdiskussion vor allem zur populistischen Selbstdarstellung genutzt haben.

3 Millionen Euro hat die Staatsregierung für den Bau eingestellt, über 350.000 Euro soll der Betrieb jährlich kosten. Nach welcher EnEV (Energieeinsparverordnung) gebaut werden soll, konnten die Verantwortlichen nicht sagen, es war aber zu vernehmen, dass der Wertstoff Holz auch als Heizmaterial zu bewundern sein werde. Aha! Das Ganze ist somit noch nicht einmal im theoretischen Ansatz nachhaltig. Und eine weitere Frage bleibt bislang offen: Teil des Projektes soll ein Baumwipfelpfad nahe Ebrach sein. Wie der Wald unter dem Pfad aussehen soll? Nach den Vorstellungen der Planer eben „nachhaltig bewirtschaftet“. Und was das bedeutet, wissen wir ja nun. Eine interessante Vorstellung: Oben Touristen, unten Motorsägen. Die Begeisterung bei den in den Baumwipfeln nach einem Naturerlebnis Suchenden wird sich in Grenzen halten.

Und so entsteht dann eben doch das, was viele schon lange befürchten, ein „Vereinsheim der Nein-Sager“, ein Treffpunkt für diejenigen, die der Entwicklung des Steigerwaldes nachhaltig im Wege stehen, in allen Belangen ein Zentrum, das dem Begriff „Nachhaltigkeit“ absolut nicht gerecht wird. Gut, dass die grüne Landtagsfraktion beantragt hat, die Mittel für dieses Motorsägenmuseum wieder aus dem Haushalt zu streichen.

One Comment

  1. Mit diesem “Motorsägenmuseum” lässt wieder einmal die herrschende an Kapitalinteressen orientierte Wirtschaftsweise mit kurzfristiger Gewinnerzielung, mit ausbeuterischen und zerstörerischen Ressourcenfraß grüßen.

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