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Wald und Wind und die Wiederbelebung des Weggetretenen

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Weshalb mir meine Lokalzeitung heilig ist…

Heissa! Ein neue journalistische Textgattung ist geboren: Die Seite ohne Inhalt. Tolles Ding, und das geht dann so: Bunt aufgepeppt mit ein paar gegelten Bilderchen fragt sich und den geneigten Leser ein Redakteur „Was macht eigentlich Karl-Theodor zu Guttenberg?“ um dann fünfspaltig und ausführlich zu berichten, dass es nichts, aber auch gar nichts zu berichten gibt. Das ist wahnsinnig spannend und muss deshalb natürlich in den Mantel, will ja schließlich jeder wissen und zwar mindestens alle sechs Wochen…

Offensichtlich verspricht man sich vom vorerst Weggetretenen eine Auflagensteigerung, deshalb wird bereits auf dem Titel groß und breit und mit Foto auf die sensationellen Breaking News verwiesen. Nein, nein, ich sitze nicht im Wartezimmer eines Zahnarztes, ich lese Tageszeitung. Die Rubrik nennt sich „Thema des Tages“. Ich bin mir sicher: Der Tag hat auch wirkliche Themen…

Themen zum Beispiel wie der gerade veröffentlichte Bericht des von der bayerischen Staatsregierung eingesetzten Zukunftsrates. Diesem Rat, der einfach nicht das raten will, was die Staatsregierung von ihm geraten haben möchte. Die Zukunftsberater erdreisten sich doch tatsächlich einem dritten Nationalpark im Freistaate das Wort zu reden. In wenigen Sätzen ist da auf Seite 93 von der „auch global gesehen … besonderen Verantwortung“ des Freistaates für die „Buchenwald-Lebensgemeinschaften“ zu lesen und davon, welche „positiven Aspekte“ ein Nationalpark für die „lokale Wertschöpfung“ hätte. Bayern solle daher die Einrichtung eines weiteren Nationalparkes prüfen.

Und für welche und in welcher Region wird seit Jahren die Schaffung eines Buchenwald-Nationalparkes diskutiert? Genau: Der Steigerwald ist gemeint. Aber was darf der jetzt schon nicht mehr so geneigte Leser doch am Ende des Berichtes – oder ist es doch eher ein Kommentar? Die journalistischen Grenzen sind hier ziemlich fließend -  lesen: Von einem Nationalpark Steigerwald sei im Bericht des Zukunftsrates keinesfalls die Rede! Aha! Bingo! 1 + 1 + 1 = jetzt also 0…

Das ist schlimm und lässt die Verzweiflung des politisch engagierten und journalistisch geschulten Lesers allenthalben wachsen.

Wirklich schlimm aber wird es beim Thema Windkraft. Was da seit geraumer Zeit zu lesen ist, erinnert an den Atomkraft-Lobbyjournalismus der Siebziger Jahre. Immer und immer wieder derselbe Schreiberling scheint die alleinige Hoheit zu besitzen, die Energiewende im Landkreis journalistisch „begleiten“ zu dürfen und verbreitet grausamen Nonsens über die gleichsam alles zerstörenden Windräder. Das Husarenstück erst kürzlich: Zwar arbeiteten sämtliche bisherigen Rotoren unwirtschaftlich, lese ich da und weiß es besser, und auch die Wirtschaftlichkeit der kommenden Räder sei keinesfalls gewiss, jedoch würden diese lediglich dazu errichtet, damit sich jemand eine goldene Nase daran verdiene. Hä? Stammtischparolen im Lokalblatt? Bericht? Kommentar? Recherche oder alles in einem? Der jetzt schon ganz und gar nicht mehr geneigte Leser gibt verzweifelt auf…

Warum ich dennoch morgens als erstes die Zeitung hole? Der Kaffee schmeckt einfach nicht ohne sie…

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