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Warum ich in Freiburg für einen Ausstieg aus Olympia 2018 geworben habe:

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BDKBei unserer Bundesdelegiertenkonferenz vergangenes Wochenende haben wir Grüne uns unter anderem gegen eine Bewerbung Münchens für die olympischen Winterspiele 2018 ausgesprochen. Die Diskussion war kontrovers und die Abstimmung letztlich knapp. Dennoch, mit den Grünen gibt es jetzt keine Olympiabewerbung mehr. Als einer, der auch in Freiburg aktiv für einen Ausstieg aus dem Bewerberrennen geworben hat, möchte ich hier unsere Gründe darlegen:

Es geht nicht um Olympia im Allgemeinen, es geht um die Art und Weise der Münchner Bewerbung und den Umgang des DOSB und des IOC mit denen, die an nachhaltigen und ökologisch halbwegs vertretbaren Spielen mitarbeiten wollten. Die Grünen wollten dies und deshalb haben sie sich an dem Prozess und der Planung beteiligt beziehungsweise versuchten sich zu beteiligen. Wir sahen die Chance, olympische Spiele unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit mitzugestalten.

Wenn man dies tut, dann möchte man aber auch, dass die eigenen Vorstellungen und Vorschläge zumindest zum Teil berücksichtigt werden. Dies war aber in immer deulicherem Maße nicht der Fall. Die Grünen wurden als Feigenblatt des DOSB (und damit auch des IOC) benutzt, sodass man 2018 dann hätte sagen können: “Seht her, die Grünen haben das auch alles mitgetragen”. Aus genau diesem Grund ist der Bund Naturschutz bereits im vergangenen Jahr aus den Planungen ausgestiegen. Man hat erkannt, dass man in diesem System nichts erreichen kann und lediglich vorgeführt wird. Wir Grüne haben es noch etwas länger versucht, was ich auch für richtig halte. Irgendwann aber kommt der Punkt, an dem man die Reißleine ziehen muss.

Es geht aber auch nicht “nur” um Kunstschnee und Wasserverbrauch, Flächenverbrauch, enorme Beschädigung des Sommertourismus durch jahrelange Baumaßnahmen (etwa zwei Drittel der Touristen kommen im Sommer nach Garmisch und Umgebung), die Verkehrsproblematik, die immense Landschaftszerstörung oder den Irrsinn, neben bestehenden Wettkampfstätten neue zu errichten, die dann nach den Spielen wieder abgerissen werden sollen (Beispiel Biathlon), es geht auch mal wieder um das liebe Geld:

So müssen die Bewerbergemeinden dem IOC Garantien liefern, deren tatsächlichen Inhalt finanzieller Art sie zum Zeitpunkt der Unterzeichnung gar nicht kennen. Wer würde einen Vertrag unterschreiben, dessen Wortlaut er nicht kennt? Sicher kein vernünftiger Mensch. Das IOC aber verlangt genau dieses! Faire Zusammenarbeit sieht anders aus.

Die Kosten für Bewerbung und im Falle einer Zusage für Infrastrukturmaßnahmen, Neubauten u.s.w. tragen die Kommunen und der Freistaat Bayern, den Gewinn letztlich aber schöpft das IOC ab und muss diesen noch nicht einmal bei uns versteuern!

Dieses wird dazu führen, dass die sowieso schon verschuldeten Kommunen München, Garmisch und Berchtesgadener Land nach den Spielen zusammen mit dem Freistaat die Deckungslücken tragen müssen, während der Mehrheitseigner DOSB (51% und damit der, der anschafft) aus jedweder Haftung entlassen ist!

Wir Grüne aber wollen, dass z. Bsp. Garmisch (derzeit ca. 110 Mio. Schulden) auch zukünftig in der Lage  sein wird, seine eigentlichen Aufgaben (Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Sozialausgaben u.s.w.) zu schultern. Olympische Spiele in der vorgesehenen Form aber wären ein massiver Anschlag auf die Gemeindefinanzen, Garmisch drohte damit der Ruin.

Letztlich bleibt bei der Finanzierung und der notwendigen Transparenz dazu vieles im Unklaren: So kann uns zum Beispiel niemand erklären, warum bei den so genannten Sicherheitsgarantien für die Münchner Bewerbung 31,8 Mio. € bereitgestellt sind, während Vancouver zu diesem Zeitpunkt der Planung bereits 109 Mio. € eingestellt hatte. Nur ein Beispiel, das die enormen Unwägbarkeiten verdeutlicht.

Es geht keineswegs darum, Olympia grundsätzlich in Frage zu stellen, im Gegenteil, nachhaltige und ökologisch halbwegs verträgliche Spiele wären ein wunderbarer Ansatz. Im Falle München + 2 aber wird dieser Ansatz eben nicht verfolgt. Deshalb ging es uns beim Parteitag in Freiburg darum, die Kommunen und die Natur am Leben zu erhalten. Wir wollten rechtzeitig die Reißleine ziehen. Hoffen wir, dass man uns dieses Mal hört, hoffen wir, dass es nicht wieder so kommt wie etwa bei Stuttgart21, wo man unsere Warnungen schon vor 15 Jahren in den Wind schlug…

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