www.andreas-loesche.com

Ente gut, alles gut

| 0 comments

Im Wettbewerb um das inhaltsloseste Plakat transportieren die Wahlkampfstrategen aus Versehen allerhand interessante Botschaften – die Highlights aus Bamberg Stadt und Land

Das Bemühen der Parteien möglichst keine Meinung auf ihren Wahlplakaten zu äußern, treibt in Stadt und Landkreis recht bizarre Blüten. Besondere Mühe hat sich dabei die CSU aus Hallstadt gegeben.

null null 

Sorgsam in Reihe gehängt präsentieren sich der Wählerschaft drei Plakate mit den überragend meinungsbildenden Aufschriften „klarer wählen“, „stärker wählen“ und dann zu allem Überfluss auch noch „besser wählen“, ehe ein viertes Pamphlet dem jetzt wohl schon nicht mehr so geneigten Stimmvolk eine großartige Zusammenfassung liefert: „Klarer. Stärker. Besser. CSU Hallstadt.“ Ein echter Knaller, der die intellektuellen Fähigkeiten der Zielgruppe in jedem Falle nicht ausreizen möchte. Weniger Inhalt ist definitiv unmöglich.
null null

Irgendwas mit Zukunft ist immer gut, dachte sich wohl die Bamberger CSU und ersann den grandiosen Slogan „Wo Zukunft herkommt“. Das fragen die Christsozialen nicht etwa, nein, sie stellen es fest und meinen sich selbst damit. Wer nun der CSU ankreiden möchte, es handle sich um die Partei der Ewiggestrigen, muss sich durch dieses gewagte Motto bestätigt fühlen, schließlich kommt die Zukunft nicht irgendwo her, sprich aus der Vergangenheit, sie geht vielmehr irgendwo hin, liegt gleichsam vor uns. Hier ist die Ausrichtung des Spruches fatal misslungen. Da passt dann auch die gewiss selbstironisch gemeinte Aussage eines CSU-Kandidaten „Ente gut, alles gut“ wie die Faust aufs Auge. Bamberg bleibt zu wünschen, dass die christsozialen Zukunftsforscher am 16. März nicht die bessere Ente für sich haben.

null 

Immerhin aber hat man bei der CSU „mehr als nur ein Gesicht“, während der sozialdemokratische Großkoalitionär personell ziemlich unterbesetzt scheint. Und weil das Wahlvolk davon überzeugt werden soll, dass es Bamberg gut gehe und dies so bleiben müsse, Verbesserungen also offensichtlich nicht notwendig sind, wirbt man in Reihen der SPD mit just der Person, die überhaupt nicht zur Wahl steht. „Wer Starke will, wählt SPD“ hat also durchaus etwas von Verhohnepiepelung der Bambergerinnen und Bamberger. Die peinliche Panne der falschen Wahlscheine, die die Unkenntnis der eigenen Wohnlage so mancher CSU-Kandidaten verrät, und die recht dummdreiste Ausrede des Vorsitzenden, es handle sich da absolut und echt wirklich um ein Versehen, passt da wunderbar ins Bild. Die Begeisterung für Kommunalpolitik wird so sicher nicht gefördert.

Wenig Begeisterung für den Geschichtsunterricht brachten offensichtlich die Planer von der ÖDP auf. Liebe Frankenberger-Freunde, fast alle deutschen Kaiser wurden gewählt! Das lief zwar etwa so demokratisch wie eine Papstwahl ab, Wahlen aber waren es. Oftmals wählten die Kurfürsten dann den schwächsten Kandidaten. Es steht zu befürchten, dass das im Landkreis Bamberg ähnlich ausgeht…

Apropos Landratswahl: Während man bei der CSU von vorne herein auf jedwede Attribute für den Landratskandidaten verzichtet, präsentiert uns die Sozialdemokratie nachgerade Dumbledore’sche Visionen, den ernsten Blick in die Ferne (Zukunft?) gerichtet, das Ganze unter dem Motto „Politik mit Haltung“. Ein Slogan, der so manchen im Landkreis durchaus gewagt erscheinen mag, schließlich könnte man unter Haltung nun auch verstehen, als Vorsitzender des Bund Naturschutz nicht ausgerechnet für eine Partei antreten zu wollen, die in schier sämtlichen umweltpolitischen Themen auf allen Ebenen (von Bamberger Sonderlandebahn über dritte Startbahn bis hin zur Kohlekraft) konträr zur Position des BN denkt und handelt.

Wenigstens verzichtet die Landkreis-SPD auf die doch reichlich strapazierte Wortfamilie rund um das Adjektiv „stark“. Hier beeindruckt hingegen die CSU-Staatsministerin mit einem Großplakat, welches das Bamberger Dilemma derart treffend umschreibt, dass es sich schon fast um Lyrik handelt: „Hinter einem starken Bamberg steht eine starke CSU.“ Chapeau!
null null null

Dass den Jusos bei all dieser Inhaltsleere der Kamm schwillt, ist verständlich. Deshalb ein dreifaches Hoch auf deren handgemalte Plakate, die neuerdings in der Innenstadt zu finden sind. Wenn für Inhalte bei der SPD kein Geld verschwendet werden soll, dann müssen es die wenigen Aufrechten eben so machen. Respekt! Ein dickes „like“ ans Schwesterherz!

Sicherlich nicht über jede Kritik erhaben sind unsere Plakate der Landkreis-Grünen, aber immerhin sind es überhaupt die einzigen Themenplakate, die im Landkreis zu finden sind. Und darüber hinaus leisten wir uns auch noch eine Meinung zu haben. Das freilich birgt die Gefahr einer kontroversen Auseinandersetzung mit den Bürgerinnen und Bürgern. Und am Ende mag nicht jede und jeder unsere Meinung teilen. Aber ist nicht gerade diese Meinungsfindung Sinn und Zweck eines Wahlkampfes? In Bamberg Stadt und Land offensichtlich nicht, leider…

Leave a Reply

Required fields are marked *.

*